Weniger Schäden durch Alkohol - EU-Präsidentschaft Schweden kämpft dafür

Am 21. und 22. September fand in Stockholm unter der Schwedischen EU-Präsidentschaft eine „Expertenkonferenz zu Alkohol und Gesundheit“ statt. Die Schwedische Gesundheitsministerin, Maria Larsson, betonte in ihrem Schlusswort, dass es ihr um vier wichtige Ziele gehe:

  1. Die Situation der Kinder von alkoholkranken Eltern zu verbessern,
  2. das Thema „Junge Menschen und Werbung“ nach vorne zu bringen,
  3. auf die Situation der älteren Menschen mit Alkoholproblemen aufmerksam zu machen und
  4. den Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Alkohol, der Konsumhöhe und den dadurch verursachten Schäden aufzuzeigen.

Alle Plenumsvorträge und Arbeitsmaterialien im Netz unter: http://www.se2009.eu/en/meetings_news/2009/9/21/expert_conference_on_alcohol_and_health.

Zur Veranstaltung stellte die Europäische Kommission ihren „Ersten Fortschrittsbericht über die Einführung der Europäischen Alkohol Strategie“ vor.

Auf der Basis der Konferenzergebnisse und dieses Berichtes wird Schweden einen „Council Report“ erstellen, der der Gesundheitsministerkonferenz Ende November vorgelegt werden wird. Sollte er akzeptiert werden, dann ist wieder ein wichtiger Schritt in Richtung aktiver Alkoholpolitik gemacht worden. So wird der Druck auf die Mitgliedsstaaten stärker, entsprechende Pläne zu verabschieden und Maßnahmen zu beschließen.

In Ergänzung des Berichtes der Kommission legte auch Eurocare, die Europäische Alkoholpolitik Allianz, der auch die Guttempler in Deutschland angehören, einen Zwischenbericht und Empfehlungen für eine nachhaltige Alkoholpolitik vor um zu dokumentieren, was der „offizielle“ Bericht nicht enthält.

Sobald beide Berichte im Netz stehen, werden die Quellen bekannt gegeben.

Ein erstes Fazit der Konferenz? Es gibt immer mehr wissenschaftlich sauber begründete Fakten, die eine aktive Alkoholpolitik in den Bereichen Preis, Verfügbarkeit, Werbung, Straßenverkehr und Arbeitsplatz erfordern, um die alkoholbedingten Schäden und Probleme zu verringern. Immer mehr Mitgliedsstaaten sind bereit, entsprechende Forschungen zu finanzieren, und auch die durch die EU finanzierten Netzwerke zeigen immer mehr Ergebnisse.

Umso unverständlicher ist es, dass insbesondere der Generaldirektor von DG SANCO, Robert Madelin, starken Druck macht, damit die Vertreter der Gesundheit mit denen der Industrie zusammen arbeiten. Das ist sicherlich ein möglicher Schritt, um die EU Strategie mit möglichst wenig Widerstand durchzusetzen. Aber gerade in dieser Konferenz wurde deutlich, dass die Vertreter der Industrie (aus Deutschland waren sowohl die Brauer als auch die Werber hochrangig vertreten) ihre Absicht zur Mitarbeit zwar bekunden. Aber mein Eindruck ist, dass sie die Vorträge gedanklich schon in der Richtung begleiten, wie sie sich gegen diese neuen Erkenntnisse wehren können.

Aus mehreren Europäischen Ländern wurden ähnliche Zahlen wie aus Deutschland berichtet: Die 10 % der Bevölkerung, die riskant Alkohol konsumieren, trinken 50 % der Menge. Kein Hersteller hat Interesse daran, den Umsatz freiwillig zurück zu nehmen.

Die Brauer brachten ihre Haltung mit einer ganzseitigen Anzeige in schwedischen Zeitungen zum Konferenzbeginn deutlich: Wir sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – denkt daran und lasst die Finger von Restriktionen. Die Brauer können das bezahlen – aber sie zeigen damit auch ihre Furcht vor weiteren politischen Eingriffen.

Diese politischen Konsequenzen werden gezogen - allerdings ist alles eine Frage der Zeit.

Rolf Hüllinghorst

Sprecher für Alkoholpolitik der

Guttempler in Deutschland